Volker Schnurrbusch: „Die EU hat sich von ihrem ursprünglichen Anspruch einer gemeinsamen Fischereipolitik verabschiedet“

Der Schleswig-Holsteinische Landtag debattierte auf Antrag der AfD über die bedrohliche Lage der Ostseefischerei nach Festlegung neuer Fangquoten durch die EU. Dazu erklärt Volker Schnurrbusch, wirtschafts- und europapolitischer Sprecher der AfD im Schleswig-Holsteinischen Landtag:

„Ursprünglich hatte die Gemeinsame Fischereipolitik der EU das Ziel, die Fischwirtschaft zu fördern. Inzwischen besteht diese Politik jedoch vor allem darin, Fangquoten für die Mitgliedsstaaten und bestimmte Fischarten festzusetzen. Dabei sollte es eigentlich darum gehen, die Interessen der Fischfangindustrie gegen Umweltbelange abzuwägen und so den Fortbestand der Fischarten zu sichern. Doch von ‚Interessenabwägung‘ kann schon lange keine Rede mehr sein. Denn jetzt ist der Fortbestand der Fischerei akut gefährdet!

Die neuen EU-Vorgaben zum Fang von Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee bedeuten für die Fischer faktisch ein Berufsverbot. Durch die Einschränkung der gezielten Befischung in der westlichen Ostsee sinkt die Fangquote beim Dorsch um 88 Prozent. Beim Hering ist die erlaubte Fangmenge in den letzten vier Jahren sogar um 94 Prozent verringert worden. Auch für die Angelkutter brechen schwere Zeiten an. Nur noch ein Dorsch pro Tag ist ab dem nächsten Jahr erlaubt. Die wenigen verbliebenen Anbieter von Kutterfahrten werden dann noch weniger Angler an Bord begrüßen können. Was das für den Tourismus an der Ostsee bedeutet, kann sich jeder ausrechnen.

Dabei legt die EU durchaus unterschiedliche Maßstäbe an die Fanggebiete in der westlichen Ostsee einerseits und in Kattegat und Skagerrak andererseits an. Unsere heimischen Fischer müssen drastische Einschnitte hinnehmen, während die Bestände weiter nördlich weiterhin abgefischt werden dürfen. Deutsche Interessen werden in Brüssel wie üblich ignoriert. Eine ganze Branche steht deswegen jetzt vor dem Aus. Diese Ungleichbehandlung darf die Bundesregierung nicht hinnehmen.

Die maritime Tradition Schleswig-Holsteins stellt einen wichtigen Teil unserer Kultur und Identität dar, der über Jahrhunderte gewachsen ist. Es ist notwendig, dass trotz dieser undifferenzierten Fangquoten-Politik möglichst viele Berufsfischer wirtschaftlich überleben können.

Voraussetzung dafür ist eine Unterstützung der regionalen Fischereistrukturen in unseren Häfen. Soweit Kühlhäuser und Eismaschinen aufgrund der Abwicklung von Genossenschaften vor Ort nicht mehr existieren, ist eine ausreichende Belieferung der verbliebenen Fischer mit anderweitigen Kühlkapazitäten zu gewährleisten. Auch die Unterstützung kleinerer Küstenfischereibetriebe durch ein Dorschaufzucht-Programm oder Aquakulturanlagen zur Fischproduktion halten wir für sinnvoll. Auf diese Weise könnten die verheerenden Beschlüsse der EU und die darin liegende Ungleichbehandlung zumindest abgemildert werden.“

Weitere Informationen:

  • Antrag der AfD „Maritime Tradition Schleswig-Holsteins bewahren – Strukturwandel in der Ostseefischerei aktiv mitgestalten“ vom 19.10.2021

https://www.afdgruppesh.de/antrag/maritimetraditionschleswigholsteinsbewahrenstrukturwandelinderostseefischereiaktivmitgestalten/

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