Die Grünen, die Toten und der Anstand

Der Kreisverband der Grünen Lübeck hat zum Reaktorunglück von Fukushima eine Pressemitteilung herausgegeben [1]:

„Am 11. März 2011 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 9 die Küste Japans. Dieses Ereignis löste eine Reihe katastrophaler Unfälle und schwerer Störfälle im japanischen Fukushima aus. Mehr als 18.000 Menschen starben, ganze Städte wurden zerstört. Bis heute leben hunderte Menschen in Notunterkünften. Dieses furchtbare Ereignis ließ die Bundesregierung […] zu der Einsicht gelangen, dass kein Weg am Atomausstieg vorbeiführt.“

Dazu meint der Vorsitzende des AfD Kreisverbandes Lübeck David Jenniches:

„Die japanische Regierung hat bisher einen Toten infolge von Strahlenbelastung bestätigt [2]. Es handelt sich um einen Arbeiter, der nach dem Reaktorunfall im betroffenen Kernkraftwerk arbeitete. Bei drei weiteren Arbeitern sind Krebserkrankungen infolge der Strahlenbelastung bei den Aufräumarbeiten durch die Regierung anerkannt.

In Zusammenhang mit der Evakuierung nach dem Unfall starben nach Regierungsangaben 2.201 Menschen durch Stress, zeitweise unzureichende medizinische Versorgung und Selbstmord. Diese Toten sind ebenso wie alle anderen zu bedauern, aber sie sind keine zwingende Folge der Kernenergie, sondern Folge der mangelhaften Evakuierung.

Die Formulierung der Grünen lässt das Missverständnis zu, dass die 18.000 Toten und die Zerstörung ganzer Städte die Folge der Störfälle im Kraftwerk Fukushima sind. Sorgfalt und Anstand legen genauere Formulierungen nahe. Den Vorwurf der politischen Leichenfledderei wollen sich die Grünen ja sicher nicht verdienen.“

[1] https://www.gruene-luebeck.de/newssingle/article/aus_fukushima_lernen_klima_und_umweltschutz_macht_nicht_an_grenzen_halt/

[2] https://www.nytimes.com/2018/09/05/world/asia/japan-fukushima-radiation-cancer-death.html

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